Gute Ver­dienst­mög­lich­kei­ten in der Schweiz und ver­gleichs­wei­se gerin­ge Lebens­hal­tungs­kos­ten in Deutsch­land – das ist für vie­le deut­sche Grenz­gänger die Moti­va­ti­on, täg­lich oder wöchent­lich zum Arbei­ten in die Schweiz zu pen­deln. Für Bewoh­ner der Regi­on um Frei­burg ist dabei das grenz­nah gele­ge­ne Basel ein attrak­ti­ver Arbeits­ort.

Sie woh­nen in Deutsch­land und wol­len in der Schweiz arbei­ten? Dann müs­sen Sie eini­ge Beson­der­hei­ten hin­sicht­lich der steuer‑, sozi­al- und arbeits­recht­li­chen Rege­lun­gen beach­ten. Wir haben uns auf die­ses Bera­tungs­ge­biet spe­zia­li­siert und beant­wor­ten in unse­rem Büro gern Ihre Fra­gen zu die­sem The­ma — ins­be­son­de­re aber zu Ver­si­che­rungs­the­men für Grenz­gänger. Beach­ten Sie jedoch, dass wir kei­ne Steu­er­be­ra­tung anbie­ten. Dafür ste­hen Ihnen Steu­er­be­ra­ter und ande­re Ver­tre­ter der nach § 3 StBerG zuge­las­se­nen steu­er­be­ra­ten­den Beru­fe zur Ver­fü­gung. Die wich­tigs­ten Infor­ma­tio­nen für Grenz­gänger ver­mit­telt Ihnen der fol­gen­de Arti­kel.

Grenz­gän­ger­be­wil­li­gung als Arbeits­er­laub­nis

Wenn Sie in Deutsch­land woh­nen und in der Schweiz arbei­ten möch­ten, brau­chen Sie eine Grenz­gän­ger­be­wil­li­gung. Die­se bean­tragt im Nor­mal­fall Ihr Schwei­zer Arbeit­ge­ber bei der Aus­län­der­be­hör­de des Kan­tons, nach­dem Sie den Arbeits­ver­trag unter­zeich­net haben. Dafür müs­sen Sie neben dem Arbeits­ver­trag eine Wohn­sitz­be­schei­ni­gung, eine Kopie des Per­so­nal­aus­wei­ses oder Rei­se­pas­ses und zwei Pass­fo­tos vor­le­gen.

Wur­de der Arbeits­ver­trag für einen Zeit­raum von län­ger als einem Jahr oder unbe­fris­tet abge­schlos­sen, ist die Grenz­gän­ger­be­wil­li­gung zunächst fünf Jah­re lang gül­tig. Falls das Arbeits­ver­hält­nis auf weni­ger als ein Jahr befris­tet ist, wird sie nur für die ent­spre­chen­de Dau­er aus­ge­stellt. Danach sind in jedem Fall Ver­län­ge­run­gen mög­lich. Nur wenn sich der Schwei­zer Arbeits­markt sehr ungüns­tig ent­wi­ckeln wür­de, dürf­ten die Kan­to­ne eine Ver­län­ge­rung ver­wei­gern.

Keh­ren Sie nur an Wochen­en­den an Ihren deut­schen Wohn­ort zurück? Auch dann kön­nen Sie noch als Grenz­gänger gel­ten und nicht als Auf­ent­hal­ter mit fes­tem Wohn­sitz in der Schweiz. Das hat Aus­wir­kun­gen auf Besteue­rung, Sozi­al­ver­si­che­rung und bestimm­te Leis­tungs­an­sprü­che. Als soge­nann­ter Wochen­auf­ent­hal­ter erhal­ten Sie eben­falls eine Grenz­gän­ger­be­wil­li­gung. Es kann aller­dings sein, dass das Finanz­amt für die Besteue­rung gemäß dem Dop­pel­be­steue­rungs­ab­kom­men mit der Schweiz prüft, ob Ihr Lebens­mit­tel­punkt wirk­lich in Deutsch­land liegt.

Ver­steue­rung Ihres Arbeits­ein­kom­mens

Als Grenz­gänger müs­sen Sie in Deutsch­land Ein­kom­men­steu­er, Soli­da­ri­täts­zu­schlag und gege­be­nen­falls Kir­chen­steu­er zah­len. Anstatt der Lohn­steu­er, wie sie in Deutsch­land üblich ist, führt Ihr Arbeit­ge­ber 4,5 % des Ein­kom­mens als Quel­len­steu­er ab und zusätz­lich berech­net das deut­sche Finanz­amt vier­tel­jähr­lich die rest­li­chen Vor­aus­zah­lun­gen anhand des Brut­to­ein­kom­mens und der Steu­er­klas­se. Die Ver­rech­nung erfolgt bei Ihrer jähr­li­chen Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung in Deutsch­land, zu der Sie als Grenz­gänger ver­pflich­tet sind.

Da der Arbeit­ge­ber pau­schal 4,5 % ein­be­hält, brau­chen Sie in der Schweiz kei­ne Lohn­steu­er­kar­te. Sie müs­sen jedoch Ihrem Arbeit­ge­ber noch vor der ers­ten Gehalts­zah­lung eine Ansäs­sig­keits­be­schei­ni­gung vor­le­gen. Sonst führt er nicht nur 4,5 % Quel­len­steu­er ab, son­dern rich­tet sich nach den Tari­fen für aus­län­di­sche Arbeit­neh­mer. In die­sem Fall kann die Steu­er nicht ohne Wei­te­res ver­rech­net wer­den. Die Beschei­ni­gung müs­sen Sie bei dem Finanz­amt bean­tra­gen, das für Ihren deut­schen Wohn­sitz zustän­dig ist. Sie gilt immer für ein Kalen­der­jahr und wird danach ver­län­gert.

Eine Son­der­re­ge­lung gilt, wenn Sie auf­grund der Erfor­der­nis­se Ihrer Arbeits­stel­le an mehr als 60 Arbeits­ta­gen im Kalen­der­jahr nicht an Ihren deut­schen Wohn­ort zurück­keh­ren kön­nen. Dann wird zwar die gesam­te Quel­len­steu­er in Höhe von 4,5 % ein­be­hal­ten. Dafür ist das Ein­kom­men in Deutsch­land steu­er­frei und unter­liegt ledig­lich dem Pro­gres­si­ons­vor­be­halt. Als Arbeits­ta­ge gel­ten nur sol­che, die im Arbeits­ver­trag ver­ein­bart wur­den. Wenn Sie z. B. regel­mä­ßig von Diens­tag bis Sams­tag arbei­ten, gilt der Mon­tag nicht als Arbeits­tag. Die Steu­er­be­frei­ung bean­tra­gen Sie in Deutsch­land bei Ihrem Finanz­amt mit einer Beschei­ni­gung des Arbeit­ge­bers.

Kran­ken­ver­si­che­rung für Grenz­gänger

Als Grenz­gänger sind Sie grund­sätz­lich in der Schweiz kran­ken­ver­si­che­rungs­pflich­tig. Sie haben jedoch in der ers­ten drei Mona­ten Ihrer Erwerbs­tä­tig­keit die Mög­lich­keit, sich von die­ser Ver­si­che­rungs­pflicht befrei­en zu las­sen. Bei Ehe­schlie­ßung oder Geburt eines Kin­des gibt es die­se Mög­lich­keit auch spä­ter noch. Für die Befrei­ung müs­sen Sie in Deutsch­land kran­ken­ver­si­chert sein, wofür eine frei­wil­lig gesetz­li­che oder pri­va­te Kran­ken­ver­si­che­rung infra­ge kommt. Einen ent­spre­chen­den Ver­si­che­rungs­schutz wei­sen Sie mit dem Antrag auf Befrei­ung von der gesetz­li­chen Ver­si­che­rungs­pflicht in der Schweiz nach. Die­se Ent­schei­dung ist bin­dend. Sie kön­nen nicht nach­träg­lich wie­der in die gesetz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung der Schweiz (KVG) wech­seln.

Die Höhe der Bei­trä­ge zur KVG hängt ledig­lich von der Wahl der Kran­ken­kas­se ab. Weder Ein­kom­men noch Alter oder Gesund­heits­zu­stand haben Ein­fluss dar­auf. Rech­nen Sie mit ca. 250 CHF pro Monat. Anders als in Deutsch­land tra­gen Sie die­se Bei­trä­ge allein. Der Arbeit­ge­ber muss sich nicht betei­li­gen. Auch die in Deutsch­land mög­li­che kos­ten­lo­se Ver­si­che­rung von Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen gibt es in der Schweiz nicht. Was die Leis­tun­gen der KVG angeht, so ist eine Selbst­be­tei­li­gung von 300 CHF pro Jahr gesetz­lich fest­ge­legt. Zusätz­lich tra­gen Sie bei jedem Leis­tungs­fall 10 % selbst, ins­ge­samt jedoch nur bis zu 700 CHF jähr­lich.

Die Schwei­zer Kran­ken­kas­sen koope­rie­ren mit gesetz­li­chen Kas­sen in Deutsch­land, sodass Sie auch dafür eine Kar­te bean­tra­gen und sich in Deutsch­land behan­deln las­sen kön­nen. Falls Sie irgend­wann nicht mehr in der Schweiz arbei­ten, kön­nen Sie pro­blem­los in die deut­sche gesetz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung wech­seln.

Das 3‑Säu­len-Sys­tem der Vor­sor­ge

Für die Alters­vor­sor­ge, die Ver­si­che­rung gegen Erwerbs­aus­fall und den Hin­ter­blie­be­nen­schutz gibt es in der Schweiz das 3‑Säu­len-Modell. Dazu gehö­ren die fol­gen­den Bestand­tei­le:
1. Säu­le: Exis­tenz­si­che­rung durch die Alters­hin­ter­las­se­nen­ver­si­che­rung (AHV), Inva­li­den­ver­si­che­rung (IV) und Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung (ALV)
2. Säu­le: Absi­che­rung des gewohn­ten Lebens­stan­dards mit der Pen­si­ons­kas­se, Unfall­ver­si­che­rung und frei­wil­li­gen Kran­ken­ta­ge­geld­ver­si­che­rung
3. Säu­le: öffent­lich geför­der­te pri­va­te Vor­sor­ge (frei­wil­lig)

Ers­te Säu­le: Siche­rung der Exis­tenz

Die ers­te Säu­le sichert das Exis­tenz­mi­ni­mum im Alter, bei Inva­li­di­tät und Arbeits­lo­sig­keit. Die Bei­trä­ge führt der Arbeit­ge­ber direkt vom Lohn ab, wobei er die Hälf­te selbst trägt. Für die AHV, IV und die Erwerbs­er­satz­ord­nung (EO, für Ver­dienst­aus­fäl­le bei Mili­tär- und Zivil­dienst oder Mut­ter­schaft) zah­len Arbeit­neh­mer ins­ge­samt 5,125 %. Dazu kom­men bis zu einem Jah­res­ein­kom­men von 148.200 CHF noch 1,1 % Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung. Für Gehalts­an­tei­le, die dar­über lie­gen, zah­len Sie 0,5 %.

Aus der AHV-Ver­si­che­rung ent­ste­hen Ihnen als Grenz­gänger Ren­ten­an­sprü­che, sofern Sie min­des­tens 12 Mona­te ein­ge­zahlt haben. Die­se sind jedoch rela­tiv gering. Der Ren­ten­be­zug star­tet bei Frau­en mit 64 und bei Män­nern mit 65 Jah­ren. Für eine höhe­re Ren­te kön­nen Sie den Beginn des Ren­ten­be­zugs bis zu fünf Jah­re hin­aus­schie­ben. Ande­rer­seits ist gegen eine Kür­zung auch ein bis zu zwei Jah­re frü­he­rer Bezug mög­lich. Die in Deutsch­land not­wen­di­ge fünf­jäh­ri­ge Min­dest­ver­si­che­rung für die Ent­ste­hung des Ren­ten­an­spruchs kann auch durch AHV-Ver­si­che­rungs­zei­ten abge­deckt wer­den, sofern für min­des­tens 12 Mona­te eine Ver­si­che­rung in Deutsch­land bestand und sich deut­sche und schwei­ze­ri­sche Ver­si­che­rungs­zei­ten nicht über­la­gern.

Die Inva­li­den­ver­si­che­rung zahlt vor­ran­gig Leis­tun­gen zur Wie­der­ein­glie­de­rung in den Arbeits­pro­zess nach einer Krank­heit oder einem Unfall. Wenn das nicht mög­lich ist, erhält der Betrof­fe­ne eine exis­tenz­si­chern­de Ren­te. Rei­ne Behand­lungs­kos­ten trägt die IV nicht. Grenz­gänger müs­sen inner­halb von drei Jah­ren vor Beginn der Inva­li­di­tät min­des­tens 12 Mona­te lang in der Schweiz ver­si­chert gewe­sen sein, um Leis­tun­gen bezie­hen zu kön­nen.

Auch als Grenz­gänger zah­len Sie Bei­trä­ge zur Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung in der Schweiz. Ent­spre­chen­de Leis­tun­gen bei Arbeits­lo­sig­keit müss­ten Sie jedoch in Deutsch­land bean­tra­gen. In der Schweiz erhal­ten Sie Leis­tun­gen aus der Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung nur in Form von Kurzarbeiter‑, Schlecht­wet­ter- oder Kon­kurs­aus­fall­geld.

Zwei­te Säu­le: Siche­rung des Lebens­stan­dards

Ein wich­ti­ger Bestand­teil der zwei­ten Säu­le ist die beruf­li­che Vor­sor­ge, auch Pen­si­ons­kas­se genannt. Arbeit­neh­mer mit einem bestimm­ten Min­dest­ein­kom­men müs­sen in die­se Kas­se ein­zah­len. Zur Berech­nung der Bei­trä­ge wird das Jah­res­ge­halt um den Koor­di­na­ti­ons­ab­zug berei­nigt. Danach kommt ein Pro­zent­satz zur Anwen­dung, der mit dem Alter des Ver­si­cher­ten steigt. Es gibt meh­re­re Pen­si­ons­kas­sen. Der Arbeit­ge­ber wählt, wo er die Bei­trä­ge sei­ner Arbeit­neh­mer anlegt. Auch bei die­ser Ver­si­che­rung zahlt er die Hälf­te der Bei­trä­ge.

Den Arbeit­neh­mern ent­ste­hen mit Ein­tritt in das Ren­ten­al­ter Ansprü­che in Form von Ren­ten­zah­lun­gen oder wahl­wei­se Teil-Kapi­tal­aus­zah­lun­gen. Auch Invaliden‑, Wit­wen- und Wai­sen­ren­ten trägt die­se Ver­si­che­rung. Wenn Sie nicht bis zum offi­zi­el­len Ren­ten­al­ter in der Schweiz arbei­ten, was bei Grenz­gän­gern vor­stell­bar ist, wird Ihr Vor­sor­ge­ver­mö­gen auf ein Frei­zü­gig­keits­kon­to über­wie­sen. Von dort kön­nen Sie es sich beim Errei­chen des Ren­ten­al­ters oder auch fünf Jah­re frü­her oder spä­ter aus­zah­len las­sen. Eine Ren­ten­zah­lung ist in die­sem Fall nicht mög­lich.

Ein wei­te­rer Bestand­teil die­ser Säu­le ist die obli­ga­to­ri­sche Unfall­ver­si­che­rung, die im Ver­si­che­rungs­fall Lohn­aus­fäl­le, Behand­lungs­kos­ten und Leis­tun­gen für Hin­ter­blie­be­ne trägt. Die Bei­trä­ge hän­gen von der gewähl­ten Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft ab. Bei den Leis­tun­gen gibt es jedoch kei­ne Unter­schie­de, da die­se gesetz­lich fest­ge­legt sind.

Frei­wil­lig ist hin­ge­gen die Kran­ken­ta­ge­geld­ver­si­che­rung, die eini­ge Arbeit­ge­ber für Ihre Arbeit­neh­mer abschlie­ßen. Die­se gilt für Krank­heits­fäl­le, bei denen kei­ne gesetz­lich oder arbeits­ver­trag­lich gere­gel­te Lohn­fort­zah­lungs­pflicht für den Arbeit­ge­ber mehr besteht. Denn die­se besteht bei Arbeits­be­ginn erst nach drei Mona­ten und beträgt anfangs auch nur drei Wochen. Wenn der Arbeit­ge­ber kei­ne Kran­ken­geld­ta­ge­ver­si­che­rung anbie­tet, ist es emp­feh­lens­wert, dass Sie sich selbst dar­um küm­mern.

Drit­te Säu­le: Pri­va­te Vor­sor­ge

Vor allem mit den Model­len der gebun­de­nen Vor­sor­ge sol­len Arbeit­neh­mer dazu moti­viert wer­den, selbst finan­zi­ell vor­zu­sor­gen. Die­se sind z. B. steu­er­ab­zugs­fä­hig oder wer­den ander­wei­tig öffent­lich geför­dert. Auch für Grenz­gänger ent­ste­hen dadurch Vor­tei­le. Las­sen Sie sich zu die­sem The­ma indi­vi­du­ell bera­ten.

Leis­tun­gen für Fami­li­en

Grenz­gänger mit Kin­dern oder der Absicht einer Fami­li­en­grün­dung müs­sen eben­falls eini­ge Beson­der­hei­ten beach­ten. Nach der Geburt eines Kin­des bekom­men Müt­ter 14 Wochen lang 80 % Ihres Gehalts als Mut­ter­schafts­ent­schä­di­gung, jedoch maxi­mal 196 CHF pro Tag. Für die Eltern­zeit gibt es kei­ne mit Deutsch­land ver­gleich­ba­re Rege­lung.

Sie kön­nen als Grenz­gänger in Deutsch­land unter Anrech­nung der Mut­ter­schafts­ent­schä­di­gung Eltern­geld bezie­hen, wenn ein Eltern­teil dort erwerbs­tä­tig ist. Ähn­li­ches gilt für die Bezugs­mög­lich­keit des deut­schen Kin­der­gel­des. Wenn jedoch bei­de Eltern Grenz­gänger sind oder wenn Sie ihr Kind als Grenz­gänger allein erzie­hen, haben Sie nur Anspruch auf die gerin­ge­re Schwei­zer Kin­der­zu­la­ge.