Für den Fall, dass Sie wäh­rend Ihrer Frei­zeit ver­se­hent­lich jeman­dem einen Scha­den zufü­gen, sind Sie über Ihre Pri­vat­haft­pflicht ver­si­chert. Die­se deckt jedoch nicht die Scha­den­er­satz­an­sprü­che ab, die durch Feh­ler bei Ihrer Berufs­aus­übung ent­ste­hen. Für die meis­ten Arbeit­neh­mer greift in die­sem Fall die Betriebs­haft­pflicht ihres Arbeit­ge­bers. Für eini­ge Selbst­stän­di­ge und Ver­tre­ter bestimm­ter Beru­fe ist jedoch eine Berufs­haft­pflicht­ver­si­che­rung emp­feh­lens­wert oder sogar vor­ge­schrie­ben.

Was kenn­zeich­net eine Berufs­haft­pflicht­ver­si­che­rung?

Die Berufs­haft­pflicht sichert die spe­zi­el­len Risi­ken bestimm­ter Beru­fe ab, wobei Per­so­nen- und Sach­schä­den sowie Ver­mö­gens­schä­den ver­si­cher­bar sind. Ein Per­so­nen­scha­den liegt bei­spiels­wei­se vor, wenn ein Pati­ent auf­grund eines ärzt­li­chen Behand­lungs­feh­lers einen Gesund­heits­scha­den erlei­det. Die Scha­den­er­satz­for­de­run­gen gegen den Arzt kön­nen unter ande­rem Reha-Kos­ten, Schmer­zens­geld oder Ren­ten­zah­lun­gen umfas­sen. Ein Bei­spiel für einen Sach­scha­den wäre der Was­ser­rohr­bruch inklu­si­ve Fol­ge­schä­den an einem Haus, weil der beauf­trag­te Immo­bi­li­en­ver­wal­ter die Über­prü­fung der Ver­sor­gungs­lei­tun­gen ver­säumt hat. Der Eigen­tü­mer des Hau­ses kann von ihm Scha­den­er­satz for­dern.

Mit den Per­so­nen- und Sach­schä­den sind meist auch die Ver­mö­gens­fol­ge­schä­den abge­si­chert. Die­se ent­ste­hen als Fol­ge eines Per­so­nen- oder Sach­scha­dens. Wenn z. B. der Mit­ar­bei­ter eines Rei­ni­gungs­un­ter­neh­mens bei einem Kun­den ver­se­hent­lich eine Maschi­ne beschä­digt, ist das zunächst ein Sach­scha­den. Der dem Kun­den durch den Aus­fall der Maschi­ne ent­gan­ge­ne Ver­dienst gilt als Ver­mö­gens­fol­ge­scha­den.

Ech­te Ver­mö­gens­schä­den müs­sen hin­ge­gen durch einen zusätz­li­chen Ver­si­che­rungs­bau­stein abge­si­chert wer­den, der oft auch sepa­rat als Ver­mö­gens­scha­den­haft­pflicht ange­bo­ten wird. Die­se Ver­si­che­rung ist typisch für bera­ten­de Beru­fe. Wenn z. B. ein Steu­er­be­ra­ter eine Frist ver­säumt, kann der Kun­de dadurch Geld ver­lie­ren, das er von sei­nem Steu­er­be­ra­ter even­tu­ell wie­der ein­for­dert.

Es hängt immer vom indi­vi­du­el­len Risi­ko­pro­fil des jewei­li­gen Berufs ab, wel­che Schä­den mit wel­chen Deckungs­sum­men abge­si­chert sein soll­ten. Las­sen Sie sich dazu indi­vi­du­ell bera­ten. Wie bei allen Haft­pflicht­ver­si­che­run­gen sind durch Vor­satz her­bei­ge­führ­te Schä­den auch in der Berufs­haft­pflicht nicht ver­si­chert. Inwie­fern gro­be Fahr­läs­sig­keit mit abge­deckt sein soll, muss indi­vi­du­ell ver­ein­bart wer­den.

Haft­pflicht­ver­si­che­run­gen ent­hal­ten neben der Absi­che­rung der genann­ten Schä­den einen pas­si­ven Rechts­schutz. Das bedeu­tet, die Ver­si­che­rung trägt die Kos­ten für die Über­prü­fung der Recht­mä­ßig­keit der Scha­den­er­satz­for­de­run­gen und gege­be­nen­falls für die Abwehr unbe­rech­tig­ter Ansprü­che. Dazu kön­nen z. B. Gutachter‑, Anwalts- und Gerichts­kos­ten gehö­ren. Ein akti­ver Rechts­schutz ist jedoch nicht ent­hal­ten. Das heißt, die Ver­si­che­rung zahlt nicht, wenn Sie selbst Ansprü­che an eine ande­re Per­son durch­set­zen möch­ten.

Abgren­zung zur Betriebs­haft­pflicht­ver­si­che­rung

Die Begrif­fe Berufs- und Betriebs­haft­pflicht­ver­si­che­rung wer­den oft syn­onym ver­wen­det. Bei einer enge­ren Begriffs­aus­le­gung las­sen sich jedoch Unter­schie­de erken­nen. Wäh­rend die Berufs­haft­pflicht grund­sätz­lich nur eine Per­son ver­si­chert, schließt die Betriebs­haft­pflicht sämt­li­che Mit­ar­bei­ter des Unter­neh­mens ein und ver­si­chert auch Scha­dens­fäl­le, die sich auf dem Betriebs­ge­län­de ereig­nen. Es gibt jedoch auch Berufs­haft­pflicht­ver­si­che­run­gen, bei denen Ange­stell­te bei­trags­frei mit­ver­si­chert sind. Die Gren­zen sind hier flie­ßend.

Ein wei­te­rer typi­scher Unter­schied besteht dar­in, dass eine rei­ne Betriebs­haft­pflicht­ver­si­che­rung stan­dard­mä­ßig kei­ne ech­ten Ver­mö­gens­schä­den abdeckt, son­dern nur Ver­mö­gens­fol­ge­schä­den. Es kann des­halb in bestimm­ten Bran­chen not­wen­dig sein, für das gesam­te Unter­neh­men zusätz­lich eine Ver­mö­gens­scha­den­haft­pflicht­ver­si­che­rung abzu­schlie­ßen. Aber auch in die­sem Zusam­men­hang exis­tie­ren Kom­plett­lö­sun­gen, die bei­des beinhal­ten.

Eine Betriebs­haft­pflicht­ver­si­che­rung schützt zwar grund­sätz­lich auch den Unter­neh­mens­in­ha­ber. Trotz­dem ist es bei beson­ders risi­ko­be­haf­te­ten Beru­fen oft not­wen­dig, Berufs- und Betriebs­haft­pflicht­ver­si­che­rung mit­ein­an­der zu kom­bi­nie­ren. Ein Arzt mit eige­ner Pra­xis deckt z. B. mit einer Berufs­haft­pflicht das Risi­ko für Per­so­nen­schä­den ab, die sein Beruf mit sich bringt. Zusätz­lich braucht er eine Betriebs­haft­pflicht, falls bei­spiels­wei­se ein Pati­ent in sei­nen Pra­xis­räu­men aus­rutscht und Ver­let­zun­gen erlei­det oder falls sei­ne Ange­stell­ten einen Feh­ler bege­hen. Es ist wich­tig, bei­des auf­ein­an­der abzu­stim­men. Gern bera­ten wir Sie zu die­sem The­ma und über­prü­fen Ihre indi­vi­du­el­le Situa­ti­on.

Wer muss eine Berufs­haft­pflicht­ver­si­che­rung abschlie­ßen?

Ver­tre­ter bestimm­ter Beru­fe mit beson­ders hohem Risi­ko sind dazu ver­pflich­tet, eine Berufs­haft­pflicht­ver­si­che­rung abzu­schlie­ßen. Es gibt dafür sowohl gesetz­li­che Bestim­mun­gen als auch sol­che, die von den jeweils zustän­di­gen Berufs­ver­bän­den oder Kam­mern fest­ge­legt wur­den. Dabei ist für jeden betrof­fe­nen Beruf gere­gelt, wel­che Scha­dens­art mit wel­cher Deckungs­sum­me ver­si­chert sein muss. Das sind Min­dest­an­for­de­run­gen, damit der Beruf über­haupt aus­ge­übt wer­den darf. Dar­über hin­aus kann es sinn­voll sein, den Ver­si­che­rungs­schutz um wei­te­re Scha­dens­ar­ten zu erwei­tern oder die Deckungs­sum­men zu erhö­hen.

Die Ver­si­che­rungs­pflicht gilt sowohl für Selbst­stän­di­ge als auch für Ange­stell­te, die in die­sen Beru­fen arbei­ten. Oft über­neh­men Arbeit­ge­ber die vor­ge­schrie­be­ne Berufs­haft­pflicht­ver­si­che­rung ihrer Ange­stell­ten. Aber auch in die­sen Fäl­len ist zu prü­fen, ob nicht even­tu­ell Ver­si­che­rungs­lü­cken bestehen, z. B. ob gro­be Fahr­läs­sig­keit mit ver­si­chert ist oder höhe­re Deckungs­sum­men rat­sam sind. Selbst­stän­di­ge müs­sen sich selbst um ihre Berufs­haft­pflicht­ver­si­che­rung küm­mern. Bei eini­gen gewerb­li­chen Beru­fen, etwa Immo­bi­li­en­ver­wal­tern oder Bewa­chungs­dienst­leis­tern, ist ohne die vor­ge­schrie­be­ne Berufs­haft­pflicht kei­ne Gewer­be­an­mel­dung mög­lich.

Betrof­fen sind aber vor allem vie­le freie Beru­fe. Das sind zum einen die aus dem medi­zi­ni­schen Bereich, wo die Gefahr von Per­so­nen­schä­den beson­ders groß ist. Dazu gehö­ren etwa Ärz­te, Apo­the­ker und Heb­am­men. Bei ande­ren ste­hen mög­li­che Ver­mö­gens­schä­den im Mit­tel­punkt, was z. B. Anwäl­te, Steu­er­be­ra­ter und Nota­re betrifft. Sach­schä­den, die wie­der­um Per­so­nen- oder Ver­mö­gens­schä­den zur Fol­ge haben kön­nen, gehö­ren zu den Risi­ken von Inge­nieu­ren, Archi­tek­ten und Gut­ach­tern.

Aber auch wenn kei­ne Ver­si­che­rungs­pflicht besteht, ist eine Berufs­haft­pflicht für vie­le Selbst­stän­di­ge emp­feh­lens­wert. Das gilt bei­spiels­wei­se für Dol­met­scher und Über­set­zer. Denn der Feh­ler eines Dol­met­schers bei Ver­trags­ver­hand­lun­gen kann für den Auf­trag­ge­ber zu einem ernst­haf­ten Ver­mö­gens­scha­den füh­ren. Sach­schä­den oder sogar Per­so­nen­schä­den kön­nen ent­ste­hen, wenn dem Über­set­zer einer Bedie­nungs­an­lei­tung ein gro­ber Feh­ler unter­läuft. Emp­feh­lens­wert ist die Ver­si­che­rung auch für vie­le bera­ten­de Beru­fe, beson­ders im IT-Bereich. Ana­ly­sie­ren Sie mit unse­rer Unter­stüt­zung, wie hoch Ihr Risi­ko ist und ob Sie eine Berufs­haft­pflicht­ver­si­che­rung brau­chen.

Beson­de­re Klau­seln

Im Zusam­men­hang mit der Berufs­haft­pflicht­ver­si­che­rung tau­chen oft bestimm­te Begrif­fe auf, deren Bedeu­tung hier erklärt wer­den soll. Das ist zum einen die All-Risk-Deckung oder auch offe­ne Deckung. Wenn die­se im Ver­trag ver­ein­bart wird, sind sämt­li­che beruf­li­che Tätig­kei­ten ver­si­chert, die nicht aus­drück­lich aus­ge­schlos­sen wur­den. Ein Bezug zum Haupt­be­ruf muss aber trotz­dem bestehen. Vor­teil­haft ist die­se Opti­on für alle, die pro­jekt­be­zo­gen arbei­ten, was Ände­run­gen der kon­kre­ten Tätig­keit mit sich bringt.

Ein wei­te­rer wich­ti­ger Begriff ist die Nach­haf­tungs­ver­si­che­rung. Die­se bie­tet auch dann noch beruf­li­chen Haft­pflicht­schutz, wenn der Beruf nicht mehr aus­ge­übt wird. Denn es kann sein, dass ein Scha­den erst viel spä­ter fest­ge­stellt wird und es in die­sem Zusam­men­hang zu Scha­den­er­satz­for­de­run­gen kommt. Emp­feh­lens­wert ist sie vor allem für Ärz­te, Inge­nieu­re und Archi­tek­ten. Wenn z. B. ein Archi­tek­ten­feh­ler meh­re­re Jah­re nach der Fer­tig­stel­lung des Bau­werks zu Sta­tik­pro­ble­men führt, der Archi­tekt aber bereits im Ruhe­stand ist, muss er trotz­dem mit Scha­den­er­satz­for­de­run­gen rech­nen. Mit einer Nach­haf­tungs­ver­si­che­rung ist er in die­sem Fall geschützt.

Vari­an­ten der beruf­li­chen Haft­pflicht­ver­si­che­rung

Eine Vari­an­te der Berufs­haft­pflicht ist die Dienst­haft­pflicht­ver­si­che­rung. Die­se ist spe­zi­ell auf Beam­te und Mit­ar­bei­ter des öffent­li­chen Diens­tes zuge­schnit­ten. Sie schützt auch vor Scha­den­er­satz­an­sprü­chen des Arbeit­ge­bers, z. B. wenn die­ser bei mitt­le­rer oder gro­ber Fahr­läs­sig­keit Regress for­dert.

Dage­gen ist die D&O‑Versicherung eine ergän­zen­de Ver­mö­gens­scha­den­haft­pflicht­ver­si­che­rung. Sie deckt die beson­de­ren Risi­ken ab, die mit der Tätig­keit von Vor­stän­den, Geschäfts­füh­rern oder Per­so­nen mit ähn­lich hoher Ver­ant­wor­tung ein­her­ge­hen und nicht durch eine übli­che Berufs- oder Betriebs­haft­pflicht abge­si­chert wer­den kön­nen. D&O steht dabei für Direc­tors & Offi­cers.